Die Sperrstunde im Pub – trotz Abschaffung eine lieb gewonnene Tradition

Englisches Pub "The Plough"“Last orders, please!” und dann ertönte eine große Messingglocke, die keiner im Pub überhören konnte. So wurde bis 2005 in Grossbritannien die “Closing Time” eingeläutet.

Das geschah um 22.45 Uhr und war die letzte Möglichkeit für den Pubbesucher, sich noch mit dem einen oder anderen Drink einzudecken. Ab 23.00 Uhr standen die Zapfhähne still und die “Drinking up Time” (DUT) begann, was bedeutet, dass die Gäste noch genau 20 min Zeit hatten, um auszutrinken. Danach wurde das Pub geschlossen, egal, ob das Glas noch halbvoll war oder nicht.
Die Sperrstunde wurde 1915 eingeführt, damit die englischen Rüstungsarbeiter nicht bis tief in die Nacht hinein tranken und am nächsten Tag verkatert zur Arbeit erschienen – oder sogar gar nicht.

Englisches AleAber seit dem 24. November 2005 wurde die 90jährige Tradition gelockert. Mit der Änderung des Gesetzes hoffte die britische Regierung die Saufgelage der Briten zu entschärfen und Gewalttaten, die um 23.30 (nach dem Pubbesuch) durch übermäßigen Alkoholgenuss gehäuft auftraten, einzudämmen.
Durch Eintritt des Licening Act 2003, konnten sich Pubs und Bars von nun an für längere Öffnungszeiten bewerben bzw. auch für den 24stündigen Verkauf von Alkohol.
Als das Gesetz in Kraft trat, hatten sich insgesamt 60,326 Pubs für eine längere Öffnungszeit und 1121 für den 24 stündigen Verkauf von Alkohol beworben.

Doch haben die geänderten Öffnungszeiten tatsächlich eine Änderung herbeigeführt?

Neun Monate später hatten viele Pubs ihre Öffnungszeiten nicht geändert, bzw. hatten nur am Wochenende länger bis max. 1.00 Uhr auf.
Englisches Pub "Red Lion"Was die britische Regierung nicht berücksichtigt hatte war, dass veränderte Öffnungszeiten von Pubs nicht automatisch auch das Trinkverhalten der Briten änderte.
Inzwischen fordern Kritiker eine Wiedereinführung der Sperrstunde.
Angeblich nehmen die Briten noch mehr Alkohol zu sich und ganz besonders die jungen Erwachsenen. Dadurch haben sich die Ausschreitungen aufgrund von Alkoholmissbrauch vermehrt.

Abgesehen davon, gehört die Sperrstunde nach all den Jahren zur britischen Kultur und ist von den Briten lieb gewonnen worden. Besonders kleine Pubs, die aus Gründen des nationalen Ehrgefühls nach wie vor ab 23 Uhr nicht mehr ausschenken.

Viele Briten starten noch heute aus alter Gewohnheit den Samstagabend im Pub, wo einige Pins getrunken werden. Erst danach geht man für das leibliche Wohl ins Restaurant, weil es dort keine Sperrstunde gibt bzw. gab.